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    Treffen sich zwei Farben. Kein Witz, trotzdem alt. Daß das aber 
höchst aufregend ist, sein kann, wissen Maler seit Jahrtausenden, auch 
wenn sie noch Frau (mit Kind) oder Mann (mit Pferd) malten. Es als Thema 
zu isolieren, Farben frei und pur gegenüberzustellen, ist auch nichts 
Neues, bald hundert Jahre alt, mal höchst, mal weniger aufregend.

    Sicher hat Lachauer in den letzten drei Jahrzehnten an der weiteren 
Erkundung der freien Farbe im Bild oder als Bild, und dem zwei- oder 
mehrteiligen Bild seinen gehörigen Anteil und hier an nicht wenigen 
Innovationen.

    Aber, was Lachauer wertvoll macht,  ist nicht das Neue, sondern das 
Besondere. Es sind auf den ersten Blick ganz normale Farben, aber man 
bleibt hängen. Man hat das schon 100mal gesehen, aber da ist etwas 
anders. Nicht nur diese eine Farbe ist, wie man sie noch nie gesehen 
hat, und die andere auch. Dann aber noch die Beiden, was die da
zusammen machen. Auch das glaubt man zu kennen und ist doch fasziniert, 
weil es anders, besonders ist.

    "Ganz normal" ist auch der Farbauftrag, und auch das ist schon 
wieder besonders. Freilich sind es viele, manchmal wahrlich unzählige 
Schichten, mit denen der endgültige Ton gefunden wird. Und man spürt 
diese wirkliche Erfahrung, von Sicherheit und Unsicherheit. Aber eben 
nicht diese krampfhafte Sensibilität und artifizielle Nonchalance als 
Delikatesse auf dem Silbertablett präsentiert. Es ist wie es ist, wie es 
gemacht, geworden ist. Es ist selbstverständlich. Und das ist eine ganz 
besondere Qualität.
    So etwas Besonderes kommt fast immer aus einer besonderen Herkunft, 
einer in ihrem Grundklang eigenen Region.  Wie bei Schriftstellern, 
Schauspielern, Musikern... und bei nahezu allen Malern ist da ein 
Grundton seiner Herkunft, seiner Heimat zu spüren und es ist 
entscheidend, ob und wie sich aus und auf diesem eine Weltsicht 
entwickelt. Lachauers Herkunft ist der Chiemgau, seine Landschaft, 
Sprache...  die Luft und das Licht, die beide dann auch schon die 
drübere Seite der Alpen erahnen lassen. Und so schwingt bei aller karger 
Kantigkeit in seiner Arbeit auch Bayrisches und Mediterranes, ja, sogar 
heiterer, festlicher Barock mit. Und diese sinnliche Qualität ist es, 
die es erst ermöglicht, Wesentliches zu erfahren.

	   Die retrospektive Ausstellung mit fast 100 Zeichnungen aus über 30 
Jahren im Februar dieses Jahres im Ganserhaus in Wasserburg war dafür 
eine überaus glückliche und gelungene Vorstellung. Wie hier die Arbeiten 
Lachauers in ihrer Radikalität und sublimen Emotionalität in Einklang 
standen mit dem schlichten und doch lebendigen Renaissance-Bau, ja 
selbst mit dem durchaus bayrischen, aber absolut nicht volkstümelnden, 
eher strengen Innstadtstil dieser fast italienisch anmutenden Inselburg, 
war eine stille Sensation - höchst aufregend. 

					            R.W.